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Kreditwirtschaft, Rechtliches & Urteile

FSB fordert intensivere Beobachtung des Schattenbankensektors – trotz signifikant gesunkener Risiken für Finanzmarktstabilität

Auf Betreiben der deutschen G20-Präsidentschaft wurde das internationale Financial Stability Board (FSB) im Herbst 2016 beauftragt, eine aktuelle Bestandsaufnahme in punkto Aktivitäten und Risiken durchzuführen. Jetzt liegt der Bericht vor.

Das internationale Financial Stability Board (Finanzstabilitätsrat) wurde im Rahmen des G-20-Gipfeltreffen 2009 in London gegründet. Seine Aufgabe ist es, die Aktivitäten von sogenannten Schattenbanken und daraus resultierende Risiken für die globale Finanzmarktstabilität zu überwachen. Insbesondere die Aktivitäten von Unternehmen im Bereich Geldmarktfonds, Verbriefungen und Wertpapierfinanzierungsgeschäft hatten in der Vergangenheit zur Finanzkrise beigetragen. Zum Mitgliederkreis des FSB gehören Vertreter aus allen G-20-Mitgliederländern, aus Spanien, der Europäischen Kommission, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.

Zunächst Entwarnung vom FSB
Auf Betreiben der deutschen G20-Präsidentschaft wurde das FSB im Herbst 2016 beauftragt, eine aktuelle Bestandsaufnahme in punkto Aktivitäten und Risiken durchzuführen. Dabei sollte auf Basis der Shadow Banking Roadmap auch geklärt werden, ob eine weitere Regulierung des Schattenbankensektors notwendig wird. Das Gremium hat seinen Bericht zum Schattenbanksektor jetzt veröffentlicht – und kommt zu dem beruhigenden Ergebnis, dass es signifikant weniger Aktivitäten außerhalb des regulären Bankensektors gibt, die als kritisch einzustufen sind. Der Schattenbankensektor stellt laut FSB derzeit kein Risiko für die globale Finanzstabilität dar. Das Gremium sieht infolgedessen auch keine Notwendigkeit für eine intensivere Regulierung – so weit, so gut.

Stärkere Überwachung gefordert
Gleichzeitig warnt das FSB vor der hohen Innovationskraft, die den Schattenbankensektor weiterhin antreibt. Es sei daher notwendig, diesen noch stärker zu überwachen. Das FSB empfiehlt dazu eine Reihe von Maßnahmen. Neben der Erhebung zusätzlicher, unternehmensspezifischer Daten zur Verbesserung der Risikobewertung mahnt das FSB insbesondere an, seine Empfehlungen zur Reduzierung bestehender struktureller Risiken im Asset-Management-Sektor nun endlich umzusetzen. Diese hatte das Expertengremium Anfang des Jahres verabschiedet.

Anteil der Banken sinkt immer weiter
Bereits im Mai 2017 hatte der FSB in einer Analyse festgestellt, dass mit rund 149 Billionen Dollar fast die Hälfte des weltweiten Finanzvermögens nicht mehr von Banken, sondern von Versicherungen, Pensionsfonds und Finanzvermittlern bewegt wird. In Deutschland liegt der Anteil des klassischen Bankensektors demnach bereits unter 60 Prozent. Vor wenigen Jahren waren es noch rund Dreiviertel. Der Schattenbankensektor wächst gleichzeitig immer stärker.

Was sind Schattenbanken?
Fasst man früher alle Aktivitäten von Unternehmen außerhalb des regulären Bankensektors unter diesen Begriff, schaut nicht nur das FSB heute bereits weitaus differenzierter hin: Noch im Jahr 2015 hatte das Expertengremium ein Volumen von 75 Billionen Dollar für diesen Marktbereich ermittelt. Inzwischen grenzt das FSB die Definition allerdings ein. Denn auch in Deutschland verwalten viele Unternehmen ihr Geld mittlerweile in ihren eigenen Finanzierungsgesellschaften – und damit außerhalb des regulären Bankensektors. Auch die Aktivitäten von Versicherungsgesellschaften und die verstärkten Stützungskäufe von Anleihen durch die Bundesbank haben den Anteil des Schattenmarktsektors in Deutschland weiter erhöht.

Kreditgeschäfte im Fokus
Die Definition erfasst nach heutigem Verständnis nur noch solche Aktivitäten, die reale Risiken für das globale Finanzsystem beinhalten könnten. Das sind nach Ansicht des FSB Aktivitäten von Unternehmen, die mit einem besonders hohen Grad der Verschuldung arbeiten. Kritisch ist es auch, wenn Investoren Geld kurzfristig aus einem Unternehmen abziehen können, das seinen eigenen Kunden gleichzeitig Kredite mit langfristiger Laufzeit gewährt hat. Die überwiegende Mehrzahl von kritischen Aktivitäten rechnet das FSB aber solchen Anlageformen zu, bei denen Geld als Kredit ausgegeben wird, das zuvor von Investoren eingesammelt wurde. Der Anteil dieser Aktivitäten am gesamten, als kritisch eingeschätzten Marktvolumen beträgt circa 65 Prozent. Er wird mit weltweit rund 34 Billionen Dollar beziffert. Die dabei bewegte Geldmenge entspricht rund 70 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts aller von der FSB untersuchten Staaten.

Quellen:

BaFin-Journal Juli 2017, Seite 38 ff.
FSB-Bericht zur Bestandsaufnahme für den Schattenbankensektor