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Deutlicher Rückgang der genehmigten Wohnungen im ersten Halbjahr 2017

Der Wohnungsbau ist eines der erklärten Top-Themen aller großen Parteien im Wahlkampf zur Bundestagswahl im September. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen den Bedarf. Sie sprechen eine eindeutige Sprache. Demnach wurden in der ersten Jahreshälfte lediglich Genehmigungen für den Bau von 169.454 Wohnungen erteilt. Das entspricht einem Rückgang um insgesamt 7,3 Prozent im Vergleich zum 2. Halbjahr 2016. Worin liegen mögliche Gründe für den Abwärtstrend? Ein Blick auf die Zahlen – und auf die Erklärungen der Branchenverbände dazu.

Weniger Ein- und Zweifamilienhäuser, kaum noch Wohnheimbau
Laut Statistischen Bundesamt gingen die Genehmigungen für den Bau von Wohnungen in Einfamilienhäusern um 9,5 Prozent zurück, das entspricht einem Rückgang um 4.800 Wohnungen. Bei Wohnungen in Zweifamilienhäusern beträgt das Minus 2,2 Prozent (oder 200 Wohnungen). Eklatant ist der Rückgang bei den erteilten Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen, er beträgt 31,8 Prozent (minus 3.900 Einheiten). In diesen Zahlen ist auch der Bau von Flüchtlingsunterkünften erfasst. Dieser habe sich bisher belebend ausgewirkt, sei aber nun abgeebbt, sagt Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsbauunternehmen (BFW). Die Mitgliedsunternehmen des Verbands repräsentieren rund 50 Prozent des Wohnungsneubaus in Deutschland.

Leichter Aufwärtstrend bei Mehrfamilienhäusern
Einzig positive Nachricht: Mit 82.100 Einheiten wurden im ersten Halbjahr 2017 1,8 Prozent mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigt – gegen den Trend und so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Ähnliche Zahlen wurden zuletzt 1997 erreicht, als 117.400 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gebaut wurden. Das sei laut dem Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW vor dem Hintergrund von steigenden Mieten und Wohnungsknappheit aber immer noch deutlich zu wenig. "Die Zahlen an geplanten Wohnungen reichen insbesondere im preisgünstigen Segment nicht aus, um den hohen Nachholbedarf gerade in Ballungsregionen zu decken", kommentiert GdW-Präsident Axel Gedaschko die Lage.

Überregulierung der Branche als Grund genannt
Auch Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, nennt die Zahlen des Statistischen Bundesamts "ernüchternd". Er sieht vor allem die hohen Neubaukosten als Hemmschuh. Dafür sei die Überregulierung der Branche mitverantwortlich. "Die Erstellungskosten sind nicht zuletzt durch staatliches Handeln zu hoch und die aktuellen Baugenehmigungsprozesse sind zu langwierig", sagt Mattner. Positive Ansatzpunkte fänden sich in den Ergebnissen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen.

Sondereffekte aus 2016 sind abgeklungen
BFW-Präsident Andreas Ibel sieht neben dem sinkenden Bedarf an Flüchtlingswohnheimen vor allem die Energieeinsparverordnung 2016 als wesentliche Ursache für den deutlichen Abwärtstrend bei den Genehmigungen. Die guten Zahlen im vergangenen Jahr seien durch einen Vorzieheffekt wegen der Energieeinsparverordnung 2016 bedingt gewesen. Dies hätte zu einem Anstieg der Bauanträge in 2015 geführt, der sich erst in 2016 ausgewirkt habe. "Da sich die Rahmenbedingungen seitdem nicht verbessert haben, war der Rückgang der Zahlen leider zu erwarten", kommentiert Ibel die Situation. Die Energieeinsparverordnung 2016 hätte die Baukosten seitdem um sieben Prozent in die Höhe getrieben.

Welche Rolle spielt der Baulandmangel?
Fehlendes Bauland bleibt weiterhin eine wichtige Stellschraube. Die Verbände GdW und BFW sehen neben einer Überregulierung durch bauordnungsrechtliche Vorgaben und administrative Hürden insbesondere das Fehlen von geeigneten Bauflächen als großes Problem an. Sie regen an, diese in Zukunft bundesweit nach einheitlichen Kriterien wie der Konzeptqualität zu vergeben. So würde keine Investorengruppe benachteiligt.

Es fehlen 1,5 Millionen Wohnungen
Noch vor einigen Wochen hatte Bundesbauministerin Barbara Hendricks die Trendwende auf dem Wohnungsmarkt gesehen. Es seien im Jahr 2016 über 370.000 Wohnungen genehmigt worden. Zum Ende der gesamten Legislaturperiode würden mehr als eine Million neuer Wohnungen fertiggestellt. Dieses Ziel ist mit den aktuell sinkenden Genehmigungszahlen wohl nicht mehr zu erreichen. Dabei ist der Bedarf enorm. Das Institut für Wirtschaft (IW) Köln reklamiert rund 1,5 Millionen fehlende Wohnungen. Es müssten alleine 80.000 zusätzliche Sozialwohnungen pro Jahr gebaut werden, so die Wirtschaftsforscher.


Quellen:

Statistisches Bundesamt - Pressemitteilung Nr. 283 vom 17.08.2017
Pressemitteilung 32/17 der GdW vom 17.08.2017
Pressemitteilung des ZIA vom 17.08.2017
Pressemitteilung des BFW vom 17.08.2017