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21.06.2009 | Gesetzgebung

E-​Justi­ce im Grund­buch­ver­fah­ren

Der Bundestag hat jetzt den recht­li­chen Rah­men für E-​Justi­ce im Grund­buch­ver­fah­ren ab­ge­steckt. Dar­über hin­aus ermöglicht er den BGB-​Ge­sell­schaf­ten nach der An­er­ken­nung ihrer Rechts­fä­hig­keit durch den BGH eine ver­läss­li­che und ef­fek­tive Teilnahme am Grundstücksverkehr.

Der Deut­sche Bun­des­tag hat am 18. Juni 2009 das Ge­setz zur Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs und der elek­tro­ni­schen Akte im Grund­buch­ver­fah­ren be­schlos­sen. Damit wird der recht­li­che Rah­men für E-​Justi­ce im Grund­buch­ver­fah­ren ab­ge­steckt. Dar­über hin­aus ent­hält das Ge­setz Re­ge­lun­gen, um den Ge­sell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts (sog. BGB-​Ge­sell­schaf­ten oder GbR) nach der An­er­ken­nung ihrer Rechts­fä­hig­keit durch den Bun­des­ge­richts­hof wei­ter­hin eine ver­läss­li­che und ef­fek­ti­ve Teil­nah­me am Grund­stücks­ver­kehr zu er­mög­li­chen.

"Mo­der­ne In­for­ma­ti­ons-​ und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik ist aus der Jus­tiz nicht mehr weg­zu­den­ken. E-​Justi­ce op­ti­miert Ar­beits­ab­läu­fe dann, wenn ein Vor­gang von An­fang bis Ende elek­tro­nisch be­ar­bei­tet wer­den kann. Genau das er­rei­chen wir nun im Be­reich des Grund­stücks­ver­kehrs. Dabei geben wir die be­währ­ten Grund­sät­ze des pa­pier­ge­bun­de­nen Grund­buch­ver­fah­rens nicht auf, son­dern über­tra­gen sie mög­lichst wir­kungs­gleich auf den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr. Der hohe, in­ter­na­tio­nal an­er­kann­te Qua­li­täts­stan­dard des deut­schen Grund­bu­ches und die Ver­läss­lich­keit des Grund­stücks­ver­kehrs sind damit auch künf­tig ge­währ­leis­tet", sagte Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Zy­pries.

"Zu­gleich sor­gen wir dafür, dass wei­ter­hin Rechts­si­cher­heit für alle am Grund­stücks­ver­kehr Be­tei­lig­ten ge­währ­leis­tet bleibt, auch wenn als Ei­gen­tü­mer eines Grund­stücks eine Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist. Lange Zeit galt der Grund­satz, dass eine GbR selbst nicht rechts­fä­hig sei. Des­halb wurde nicht die Ge­sell­schaft, son­dern ihre Ge­sell­schaf­ter im Grund­buch als Ei­gen­tü­mer ein­ge­tra­gen. Nach­dem der Bun­des­ge­richts­hof in meh­re­ren Schrit­ten die Rechts­fä­hig­keit der BGB-​Ge­sell­schaf­ten an­er­kannt hat, kann nun eine GbR auch als Ei­gen­tü­me­rin eines Grund­stücks im Grund­buch ein­ge­tra­gen wer­den. Damit Grund­buch­ein­tra­gun­gen auch in Zu­kunft so trans­pa­rent wie mög­lich über die Rechts­la­ge Aus­kunft geben, stel­len wir mit der heute be­schlos­se­nen Re­ge­lung si­cher, dass neben der BGB-​Ge­sell­schaft immer auch ihre Ge­sell­schaf­ter im Grund­buch ste­hen müs­sen, und wir schüt­zen das Ver­trau­en auf sol­che Ein­tra­gun­gen. Das hat ganz prak­ti­sche Be­deu­tung: Wer eine Im­mo­bi­lie von einer BGB-​Ge­sell­schaft er­wirbt, kann sich künf­tig wie­der auf den öf­f­ent­li­chen Glau­ben des Grund­buchs be­ru­fen. Er kann sich dar­auf ver­las­sen, dass er Ei­gen­tü­mer wird, wenn er den Ver­trag mit den im Grund­buch als Ge­sell­schaf­ter ein­ge­tra­ge­nen Per­so­nen schließt", er­läu­ter­te Zy­pries.

Zu den Re­ge­lun­gen im Ein­zel­nen:


Elek­tro­ni­scher Rechts­ver­kehr im Grund­buch­ver­fah­ren


Die Grund­bü­cher selbst wer­den in Deutsch­land be­reits weit­ge­hend in elek­tro­ni­scher Form ge­führt. In einem nächs­ten Schritt wird nun die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten und dem Grund­buch­amt er­mög­licht. Die für eine Grund­buch­ein­tra­gung er­for­der­li­chen Ur­kun­den kön­nen künf­tig als elek­tro­ni­sche Do­ku­men­te über­mit­telt und vom Grund­buch­amt in einer elek­tro­ni­schen Akte auf­be­wahrt wer­den. Das Ge­setz gibt den recht­li­chen Rah­men für ein me­di­en­bruch­frei­es elek­tro­ni­sches Grund­buch­ver­fah­ren vor. Von der Über­mitt­lung der Ein­tra­gungs­un­ter­la­gen an das Grund­buch­amt über die Be­ar­bei­tung durch den Rechts­pfle­ger bis hin zur Ab­la­ge in der elek­tro­ni­schen Akte und der Ein­tra­gungs­mit­tei­lung an die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten kön­nen alle Ver­fah­ren­schrit­te nun elek­tro­nisch er­fol­gen. Die stren­gen For­mer­for­der­nis­se des pa­pier­ge­bun­de­nen Grund­buch­ver­fah­rens wer­den über­nom­men. Eine zur Ein­tra­gung im Grund­buch er­for­der­li­che Er­klä­rung be­darf auch in den Fäl­len des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs der no­ta­ri­el­len Be­ur­kun­dung oder Be­glau­bi­gung. Von der no­ta­ri­el­len Ur­kun­de über­mit­telt der Notar dem Grund­buch­amt eine be­glau­big­te elek­tro­ni­sche Ab­schrift, die eine zu­ver­läs­si­ge Prü­fung der Au­then­ti­zi­tät und der In­te­gri­tät des elek­tro­ni­schen Do­ku­ments er­mög­licht.

Der elek­tro­ni­sche Rechts­ver­kehr hat sich be­reits in an­de­ren ge­richt­li­chen Ver­fah­ren - ins­be­son­de­re dem Han­dels­re­gis­ter­ver­fah­ren - be­währt. Seine Pra­xis­ein­füh­rung im Grund­buch­ver­fah­ren wird vor­aus­sicht­lich suk­zes­si­ve er­fol­gen. Zeit­punkt und Um­fang der Ein­füh­rung be­stim­men die je­wei­li­gen Lan­des­re­gie­run­gen. Dabei kön­nen No­ta­re, die Haupt­kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner der Grund­buch­äm­ter, zur Teil­nah­me am elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr ver­pflich­tet wer­den. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den sich hin­ge­gen auch künf­tig in her­kömm­li­cher Form an die Grund­buch­äm­ter wen­den kön­nen.

Teil­nah­me von Ge­sell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts am Im­mo­bi­li­en­ver­kehr


Lange Zeit war unter Ju­ris­ten um­strit­ten, wer bei Grund­stücks­ge­schäf­ten einer BGB-​Ge­sell­schaft Ei­gen­tü­mer wird - die Ge­sell­schaf­ter oder die Ge­sell­schaft als sol­che. Mitt­ler­wei­le hat sich der Bun­des­ge­richts­hof fest­ge­legt, dass die Ge­sell­schaft selbst Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin wer­den kann und dann im Grund­buch ent­we­der unter An­ga­be ihres Ge­sell­schafts­na­mens oder unter An­ga­be ihrer Ge­sell­schaf­ter ein­zu­tra­gen ist.

Diese Recht­spre­chung führt zu Schwie­rig­kei­ten bei Im­mo­bi­li­en­ge­schäf­ten mit BGB-​Ge­sell­schaf­ten. Die Namen der Ge­sell­schaf­ter sind ent­we­der gar nicht mehr aus dem Grund­buch er­kenn­bar oder sie sind zwar ge­nannt, gel­ten aber nicht mehr als "ech­ter Grund­buch­in­halt". Das hat unter an­de­rem zur Folge, dass die Vor­schrif­ten über den gut­gläu­bi­gen Er­werb nicht mehr an­wend­bar sind.

Bei­spiel:

Im Grund­buch ist eine Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts als Ei­gen­tü­me­rin eines Grund­stücks ein­ge­tra­gen. Als ihre Ge­sell­schaf­ter sind A, B und C ge­nannt. Nun tritt C sei­nen An­teil an der BGB-​Ge­sell­schaft an D ab, im Grund­buch bleibt aber wei­ter­hin C als Ge­sell­schaf­ter ge­nannt. Ein Er­wer­ber des Grund­stücks kann sich hier nicht auf den Grund­buch­in­halt ver­las­sen. Schließt er einen Ver­trag mit den im Grund­buch ge­nann­ten Per­so­nen, er­wirbt er kein Ei­gen­tum.

Diese Schwie­rig­kei­ten wer­den mit dem heute be­schlos­se­nen Ge­setz be­en­det. Künf­tig sind bei Grund­stücks­ge­schäf­ten einer BGB-​Ge­sell­schaft stets auch deren Ge­sell­schaf­ter im Grund­buch ein­zu­tra­gen. Die Re­ge­lun­gen über den Gut­glau­bens­schutz stel­len si­cher, dass man sich auf die Ein­tra­gung der Ge­sell­schaf­ter im Grund­stücks­ver­kehr ver­las­sen kann.

In dem obi­gen Bei­spiel kann der Er­wer­ber künf­tig Ei­gen­tü­mer wer­den (sog. gut­gläu­bi­ger Ei­gen­tums­er­werb), wenn er nichts davon weiß, dass C sei­nen An­teil ab­ge­tre­ten hatte.

Der Deut­sche Bun­des­tag hat die Neu­re­ge­lun­gen heute in 2. und 3. Le­sung be­schlos­sen. Eine Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes ist nicht er­for­der­lich.
Die Re­ge­lun­gen zur Teil­nah­me der BGB-​Ge­sell­schaft am Grund­stücks­ver­kehr wer­den am Tag nach der Ver­kün­dung des Ge­set­zes in Kraft tre­ten. Die Vor­schrif­ten zum elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr tre­ten erst zu Be­ginn des zwei­ten auf die Ver­kün­dung fol­gen­den Mo­nats in Kraft.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum Thema fin­den Sie unter www.bmj.de/grund­buch.

Quelle: BMJ-Pressemitteilung vom 18.06.2009
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